Ausstellung Blitz und Donner im Barock

am 18.05.2020 bis 27.02.2021, 0:00
Preis: Eintritt frei

…über historische Krachmacher und barocke Opernhäuser

Eine Ausstellung von Klaus Dieter Reus in der Galerie Steingraeber Bayreuth.

Die Ausstellung in der Galerie Steingraeber stellt die Theater in Europa vor, an denen sich die aufregende Technik aus der Zeit des Barock noch original erhalten hat und teilweise sogar noch bespielt wird. Interaktive Modelle lassen die Technik erlebbar werden, mit der die Naturgewalten auf die Bühne gebracht wurden. Gerade der Donner hat immer wieder die Phantasien beflügelt, und es gab vielfältige Methoden, ihn auf der Bühne zu demonstrieren. Die Ausstellung lüftet die Geheimnisse des barocken Maschinenzaubers. Barockoper war nicht langweilig, im Gegenteil. Es gibt höchstens langweilige Inszenierungen.

Zudem können Sie die Effektmaschinen in historischem Ambiente live im Einsatz erleben! Voraussichtlich am 5. Juni 2021 um 19.30 Uhr werden im Markgräflichen Opernhaus im Rahmen der Musica Bayreuth „Sturmmusiken“ vom Originalklang-Ensemble/Barockorchester l´arte del mondo unter der Leitung des Barock-Spezialisten Werner Ehrhardt aufgeführt. Effektvoll unterstützt wird die Lautmalerei der Musik durch Nachbauten historischer Wind-, Regen- und Donnermaschinen auf der Bühne des Markgräflichen Opernhauses. Zur Aufführung kommen Werke von Rameau, Marais, Rebel und Telemann. Infos und Tickets unter www.musica-bayreuth.de.

Sturmwolken ziehen auf, der Himmel verdüstert sich. Donner grollt und grelle Blitze zucken. Windböen heulen, Regenschauer prasseln herab. Schiffe kämpfen mit sturmgepeitschten Wellen und versinken im Meer. Flackernde Feuer vernichten Paläste oder lodern aus dem Höllenrachen. Engel und Drachen kämpfen am Himmel, während die Hölle Teufel ausspeit. Erdbeben erschüttern Städte, Vulkane spucken Feuer. Die Barockoper war ein sinnliches Theater. Nach Altmeister Alewyn vielleicht das sinnlichste aller Zeiten. Ein multimediales Spektakel, das alle Sinne ansprach: Ein Fest für die Augen und Ohren. Durch Verbrennen von Ingredienzen wurde bei einigen Aufführungen sogar der Geruchsinn gereizt.

Lautmalend schufen die Komponisten des Barock Sturmmusiken. „Mit donnernden Bässen, Orgelpunkten, Trommelwirbeln und Tremoli“ tobte der Sturm. “Rasant auf- und absteigende Zweiunddreißigstel-Ketten imitierten das Rollen der Wellen. Instrumentale Parts wechselten mit solistischen Passagen der Schiffbrüchigen, Nah- und Fernchören“. Marin Marais, der Gambist Ludwigs XIV, erfand 1706 mit der Oper „Alcione“ ein Vokabular der musikalischen Sturmdarstellung, das fortan fester Bestandteil der Opernliteratur wurde (Sarah Kesting). Sturmszenen in Verbindung mit der Beschreibung innerer Seelenzustände wirkten über die Zeit des Barock hinaus. Lautmalende Musikschöpfungen schlagen einen Bogen z.B. von Glucks „Iphigénie en Tauride“ über Mozarts „Idomeneo“ und Carl Maria von Webers „Freischütz“ bis zu Verdis „Rigoletto“ und „Othello“ oder Wagners „Der fliegende Holländer“. Zahlreiche Beispiele für Sturmmusiken finden sich auch in der symphonischen Musik, wie z.B. das Gewitter in Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ oder der Meeressturm in seinem Konzert „Tempesta di Mare“, in Haydns Kantate „Der Sturm“ oder Beethovens Gewitter in der 6. Symphonie.

Effektmaschinen wie Wind-, Donner, Regen- und Blitzmaschinen brachten in der Zeit des Barock die Naturgewalten sichtbar und hörbar auf die Bühne. Mit großem technischen Aufwand unterhielten die Fürsten ihre Gäste. Alle Elemente wurden aufgeboten: Mit phantasievollen Maschinen konnten Meereswellen auf die Bühne gebracht und Schiffsuntergänge inszeniert werden, überdimensionale Blasebälge ermöglichten Feuerstürme und Vulkanausbrüche. Spektakuläre Wolkenmaschinerien verdunkelten geheimnisvoll oder drohend den Himmel.

Veranstaltungsort

Steingraeber Haus Bayreuth
Friedrichstraße 2
95444 Bayreuth

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