In Zusammenarbeit mit Blaibach: “Heimatsuche und Weltflucht” (2/2)

am 15.07.2019, 19:30 bis 21:00
Preis: 14 € (pre-sales 12 €) / Students 5 €

Zwei Gesprächskonzerte zu Franz Schubert in Zusammenarbeit mit dem berühmten Konzerthaus Blaibach
Soirée am Sonntag den 14. Juli um 18h, Rezital Montag 15. Juli 2019 um 1930 h
Siegfried Mauser, Klavier und Moderation

Die beiden letzten Klaviersonaten Franz Schuberts stehen im Zentrum der beiden Gesprächskonzerte des Pianisten und Musikwissenschaftlers Siegfried Mauser – sie repräsentieren ein kompositorisches Phänomen, das Robert Schumann mit dem Begriff der “himmlischen Längen” bezeichnete. Tatsächlich entfaltet dieser Spätstil eine erzählende Gelassenheit, die sich endgültig vom Vorbild Beethovens gelöst hat. Im Modus des Singens und des Gehens bis zum Tanz scheint die Musik alles Akademische abgestreift zu haben und ergibt sich einer unterbewusst gesteuerten Fließbewegung. Der rhythmische Impuls orientiert sich nahezu durchgehend am Wandern, das aus einer fremd gewordenen Welt heraus- und in eine neue, utopische Heimat hineinzuführen scheint. Der Beginn des ersten Liedes der in zeitlicher Nähe entstandenen Winterreise “Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus” formuliert dies nahezu programmatisch.

Diese faszinierende Verquickung von Weltfremdheit und Heimatsuche sowie die damit verbundenen Zeitzerdehnungen regten auf vielfache Weise Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts an.

Rihms Klaviermusik, die sich prinzipiell eher an der Weiterführung Beethovenscher und Schumannscher Tendenzen orientiert, enthält mit Klavierstück Nr. 6 ein Schubert-nahes Stück, das sowohl Gestaltungsmerkmale des Spätstils aufgreift wie eine dynamische und zeitliche Gelassenheit, die allerdings immer wieder durch überraschende Ausbruchszonen zersetzt werden.
Jörg Widmann hat in seinen Klavierstücken auf die grundsätzlichen Schubertschen Tonfälle des Liedhaften und Tanzartigen zurückgegriffen, die jedoch in eine Aura des Irrealen und Fernen getaucht sind. Darüber hinaus wird in der sechsten Reminiszenz ein direkter Bezug zu Schuberts B-Dur-Sonate hergestellt dessen Hauptthema des ersten Satzes “immer ermüdeter” aus einer fernen Welt, die eine eigene geworden ist, herüberleuchtet.

Musik, die sich auf das Ausdrucksspektrum oder gar den Personalstil vergangener Zeiten bezieht, kann letztlich nur dann gelingen, wenn das fremde Andere innerhalb der Anverwandlung erhalten bleibt und dennoch zu etwas neuem Eigenem hinführt, sodass eine faszinierende Wiederspiegelung über die Jahrhunderte hinweg eintritt.
Deshalb werden die Stücke jeweils ohne große Pause oder Absetzung aneinander gereiht, was zu einer Spieldauer von jeweils circa einer Stunde führt, die durch eine etwa halbstündige Moderation mit eingestreuten Klangbeispielen vorbereitet wird.

Das Programm am 15.7.

Jörg Widmann: Idyll und Abgrund:
Sechs Schubert-Reminiszenzen für Klavier (2009, Hommage S. Mauser gewidmet)
Irreal, von fern – Allegretto un poco agitato –
Wie eine Spieluhr kurz vor dem Ausklingen
Scherzando – Traurig, desolat

Franz Schubert: Sonate in B-Dur, D 960 (1828)
Molto moderato – Andante sostenuto – Scherzo.
Allegro vivace con delicatezza – Allegro, ma non troppo

Der Künstler

Spannendes im leutseligen Plauderton – Kompetenz im niederbayrischen Tonfall. Siegfried Mausers Gesprächskonzerte sind berühmt, als genauso kurzweiliger wie aufschlussreicher Genuss für Klavierenthusiasten; des Musikwissenschaftlers Analysen zu hören und sofort danach den Pianisten Mauser mit der Umsetzung des eben Gesagten zu erleben ist immer wieder ein Ereignis.

Siegfried Mauser ist Musikwissenschaftler, Herausgeber und Konzertpianist; er war Professor für Klavier, Kammermusik und Musikwissenschaft an den Hochschulen Würzburg, München (wo er auch ein Institut für Musikalische Hermeneutik gründete) und dem Mozarteum Salzburg. Siegfried Mauser wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2009), dem deutschen Bundesverdienstkreuz am Bande (2010), sowie dem Bayerischen Maximiliansorden (2012). Seit 1990 ist er ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, seit 2002 auch Direktor der dortigen Musikabteilung. Von 1988 bis 2014 war er zudem als künstlerischer Berater der Stadt München (Biennale) tätig.

Veranstaltungsort

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Kammermusiksaal
Steingraeberpassage 1
95444 Bayreuth

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