Steingraeber & Söhne KG

Transducer am Resonanzboden

Neue Formen des künstlerischen Einsatzes 

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Elektronik im Klavier ist ein "alter Hut". Aber selten oder nie dient die Elektronik dem künstlerischen / kreativen Bereich. Meist geht es um Stummschaltungen, Selbstspieler oder Unterhaltungsmusik, die neuerdings aus dem Resonanzboden dröhnt.

Dabei gibt es eine Vielzahl von professionellen Einsatzmöglichkeiten, so z.B.:

  • Spielen in allen historischen oder fremden Stimmungen / Umstimmen innerhalb einer Sekunde!
  • Live-Aufführungen von Vierteltonmusik aus dem frühen 20. Jahrhundert
  • Kompositionen von Klavier mit Liveelektronik aus einem Klangkörper, nämlich dem Resonanzboden
  • Boosterfunktion, um die dynamische Bandbreite z.B. bei Open Airs zu erweitern, indem zur normalen Resonanzbodenschwingung die Transducerimpulse addiert werden.
Der erste Flügel dieser Art wurde  am 20. Mai 2017 in der Liederhalle Stuttgart live in einem Konzert von Künstlern der Musikuniversität Wien vorgestellt. 19 Monate Vorarbeit, ein erstes Probekonzert an der Musikhochschule Würzburg im Januar 2016 und drei Monate Programmier- und Probearbeiten an der Musikuniversität Wien im Frühjahr 2017 gingen der Stuttgarter Feuerprobe voraus. Auslöser der Steingraeber-Innovation war der Kölner Kompositionsprofessor Robert HP Platz: er erarbeitete zusammen mit dem IRCAM, Paris, computergesteuerte Zuspielungen in den Klavier-Resonanzboden und brachte seine Komposition - mit dem Namen Branenwelten -  mit  Musikern des Ensemble Modern Frankfurt und einem Toningenieur vom IRCAM Paris in Würzburg zur Aufführung.
 

 
Unterschiedliche Klavierstimmungen ermöglichen die Transducer ebenso. Diesen zweiten Anwendungsbereich regte der Pianist und Professor für Klavier an der Universität der Künste Teheran, Dr. Pooyan Azadeh, bei Steingraeber schon im September 2015 an. Er benötigt Klaviere mit orientalischen Stimmungen und Teiltönen, um alte Persische Musik für das Klavier zu adaptieren - gerade im Iran wird gefordert, dass westliche Instrumente auch orientalische Musik authentisch wiederzugeben in der Lage sind.
 
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So entstand das Konzert im Mai 2017 mit einem spektakulären Programm:

1. Teil: Zeitgenössische Musik
"Branenwelten" von HP Platz. Der klassische - akustische - Flügel mit sich selbst in einen Dialog AUF ZWEI EBENEN: traditionell durch die Pianistin Clara Murnig und gleichzeitig elektronisch über Computersignale durch zwei Transducer am Resonanzboden fremdbestimmt.

2. Teil: Charles Ives, Vierteltonmusik
Die Aufbruchsstimmung der 1920er Jahre führte auch zu spannender Viertel- und Mikrotonmusik, die mangels Instrumentarium heute fast in Vergessenheit geraten ist: einen einzigen Viertelton-Flügel gibt es noch in einem Prager Museum. In Stuttgart erklangen "Three quarter-tone pieces" für 2 Klaviere von Charles Ives. Clara Murnig spielte live am Flügel mit Viertelton-Zuspielung (Elektronik Robert Hofmann) über Transducer direkt im Flügelresonanzboden.

3. Teil: d-moll Fantasie Mozart KV 397 . . . in 5 verschiedenen Stimmungen

Durch die Pianistin live gespielt erklang das Mozart-Stück zunächst - wohltemperiert gestimmt - mit dem natürlichen Hammeranschlag. Im Fortgang klingt der Flügel weiterhin mit seinem natürlichen Resonanzboden, aber mit blockiertem Anschlag (Hammerstopp): zunächst in reiner Stimmung, dann in indischer, danach arabischer und schließlich balinesischer Stimmung. Die entsprechenden Tonsignale wurden vom Computer in den Flügel gesendet.
  

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